Die Altstadt Ozalj

Die Architektur der Altstadt Ozalj ist sehr abwechslungsreich. Verschiedene Epochen, in denen sie an- und umgebaut wurde, hinterlieẞen jeweils ihre eigenen Merkmale, so dass bis heute ein auẞergewöhnlich wertvoller Gebäudekomplex mit vielen Stilrichtungen entstand. Der Steinbau der Altstadt bagann etwa im 16. Jahrhundert, was sich durch die zahlreichen Reste der Römer- Mauer beweisen lässt. Doch der eigentliche Baubeginn der heutigen Burg greift schon ins 13. Jahrhundert zurück.

Ab 1244 war die Burg (das Schloss) zunächst im königlichen, dann auch im Besitz der kroatischen Adelgeschlechter wie z.B. Babonić, Frankopanen, Zrinski, Perlas, Batthyany. Die letzten in dieser Reihe, Thurn und Taxis, gaben die Burg durch die Schenkungsurkunde an die Gesellschaft „Brüder des kroatischen Drachen“, den heutigen Besitzer, über.

Die Altstadt erreicht man über eine alte Holzbrücke, die sich noch bis 1821 bewegen lieẞ. Der mittlere Brückenpfeiler war früher ein Wachturm, der mit Öffnungen für die Schützen zur Verteidigung der Schanzen diente. Er ist auch architektonisch gesehen sehr interessant, da der untere Teil dreieckförmig ist, der obere dagegen die Form eines Vierecks hat.

Überquert man die Brücke, kommt man bereits in einen groẞen Baukomplex, der aus vielen Bauten besteht: dem Eingangsturm, der von Juraj Zrinski 1599 gebaut wurde, dann einem kleineren Turm links vom Eingangsturm, dem Wehrturm, auch Babonić-Turm genannt (dem ältesten Bestandteil des Komplexes), dem Süd-, Ost- und Westflügel (alle drei Flügel sind groẞe Gebäude auf zwei Etagen) und dem Palais von Nikola Šubić Zrinski, das sich die Familie für ihr Zuhause gewählt hat. Im 18. Jahrhundert wurde die Burg restauriert und in ein schönes Schloss verwandelt. R. Perlas gestaltete die alte Burg grundlegend um und Teodor Batthyany lieẞ am Nordflügel noch eine zweite Etage hinzu- sowie einen neuen Barock-Trakt aufbauen.

Das ursprüngliche Palais, von dem man lange glaubte, es sei der älteste Bau des Komplexes, wurde in einen Getreidespeicher verwandelt und wird seitdem „Kornkammer“ genannt.

DAS PALAIS VON DER ADELSFAMILIE ZRINSKI

Dieses historische Palais war sowohl ein Zuhause von Nikola, Peter und Katarina Zrinski als auch ein beliebter Aufenthalts- und Schaffungsort von Frano Krsto Frankopan und anderen starken Persönlichkeiten, die sich durch ihren Charakter und hohe Bildung auszeichneten und an der Spitze des kroatischen und österreichischen Adels befanden.

Das Palais wurde auf einem steilen Felsen errichtet, der sich über dem Fluss Kupa erhebt. Bis heute blieb seine ursprüngliche, aus dem 16. Jahrhundert stammende Architektur erhalten. Es wurde nämlich in Form eines Rechtecks von Nikola Zrinski gebaut, wovon die am Eingangstor eingemeiselte Aufschrift Zeugnis gibt: NICO.CO.ZR.1556 (Nicolaus comes Zriniensis 1556. Was bedeutet: Nikola der Graf Zrinski 1556).

Im Erdgeschoss befinden sich ein Vorraum und Schlafzimmer mit Kaminresten und wertvollen sakralen Frescogemälden, was eigentlich sehr selten in profanen Räumen unserer feudalen Höfe zu finden ist. Hinter dem Vorraum und Schlafzimmer führt eine Tür zum gröẞeren Raum, der wahrscheinlich als Wohnzimmer diente. Hier wurden auch an den Wänden altslawische glagolitische und lateinische Aufschriften gefunden, was auch seltsam ist.

Im Obergeschoss befinden sich ein groẞer Vorraum und Saal, der zu verschiedenen Feiern genutzt wurde. Es wird angenommen, dass in diesem Saal sowohl die Hochzeit von Nikola Šubić Zrinski als auch die seines berühmten Urenkels Ban Peter Zrinski gefeiert wurde.

Auch zu alten Zeiten lieẞen die Herren der Stadt für einen Moment ihr Schwert in der Scheide und griffen zur Feder. Nach Angaben von Pavle Ritter Vitezović verfasste Petar Zrinski gerade in Ozalj (in einem der Palaisräume) das Gedicht „Adrianskog mora sirena“(Sirene von der Adria) eine sinngemäẞe Übersetzung aus dem Ungarischen ins Kroatische.

Es ist auch verlässlich bekannt, dass Katarina Zrinski hier ihr Werk „Weggefährte“ schrieb. Wahrscheinlich schrieb auch Fran Krsto Frankopan einige Gedichte aus seiner Gedichtesammlung „Gärtlein zum Zeitvertreib“ gerade hier, im Schatten des düftenden Jasmins und unter vielen Rosen in den Parkanlagen.

WISSENSWERTES

Extravagante Adelige Thurn und Taxis besaẞen in ihrem Eigentum eine ganze Sammlung von Schlössern. Sie interessierten sich aber vor allem immer nur für wundersame Schlösser mit herrlichem und groẞartigem Ausblick, weil gerade ein solcher Ausblick als wesentliches Detail einem Schloss die besondere Schönheit verleiht. Aus diesem Grund nahmen sie auch die Altstadt Ozalj in Besitz. Und tatsächlich, obwohl sich hier durch die Geschichte viele Besitzer abwechselten, blieb der herrliche Ausblick bis heute noch unverändert schön.

Nach der Legende warf sich Katarina Zrinski vom Palais in die Kupa, als sie vom Petars Tot erfahren hatte. Doch die Wahrheit ist, dass sie in Graz bei Karmeliten festgenommen wurde.

Das Palais war das Zuhause von Nikola Šubić Zrinski und hier wurde auch seine siebentägige Hochzeit mit vielen Geladenen gefeiert.

Es gibt auch eine Legende, die besagt, dass sich unter der Altstadt viele geheime Durchgänge befinden, die in gefährlichen Situationen zur Flucht aus der Stadt dienten. Angeblich waren diese Tunnels so geräumig, dass man dadurch ein Pferd reiten und mehrere Kilometer von der Altstadt entfernt rausgehen konnte.